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Misogynie
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Misogynie (von altgriechisch misos âHassâ und gyne âFrauâ), Frauenfeindlichkeit oder Frauenhass ist ein Oberbegriff fĂŒr soziokulturelle Einstellungsmuster der geringeren Relevanz oder Wertigkeit von Frauen beziehungsweise der höheren Relevanz oder Wertigkeit von MĂ€nnern. Sie wird sowohl von MĂ€nnern als auch von Frauen selbst ĂŒber die psychosoziale Entwicklung verinnerlicht (Sozialisation, Habitualisierung) und stellt die Erzeugungsgrundlage fĂŒr den hierarchisierenden Geschlechtshabitus von MĂ€nnlichkeit und Weiblichkeit dar. Sie ist damit die Basis hegemonialer MĂ€nnlichkeit oder patriarchaler BeziehungsgefĂŒge.
Misogynie ist tief in zahlreichen menschlichen Kulturen verwurzelt.cite-ref-16-1-0[1]cite-ref-10-2-0[2] Da sie sozialen Normen oder Idealen jedoch widerspricht, gilt sie gesellschaftlich als âkrankhaftesâ,cite-ref-12-3-0[3]cite-ref-13-4-0[4]cite-ref-14-5-0[5] âabnormes GefĂŒhlâ.cite-ref-15-6-0[6] Aufgrund dieser fundamentalen WidersprĂŒchlichkeit wird Misogynie gesellschaftlich und individuell meist verdeckt â etwa durch Leugnung, Tabuisierung, Höflichkeit oder sozial erwĂŒnschte Gleichheitsrhetorik. Dann bleibt sie individuell unbewusst und gesellschaftlich diffus. Die wissenschaftliche Erforschung von Misogynie begann in den 1950er Jahren.
Misogynie ist eine auf Frauen gerichtete Form der Misanthropie (âMenschenfeindlichkeitâ).cite-ref-5-7-0[7]cite-ref-8[8] Mit der aufkommenden Frauenbewegung im 19. Jahrhundert wurde gesellschaftliche Misogynie zunehmend thematisiert und bekĂ€mpft. In der Folge kam im 20. Jahrhundert nun zunehmend die Furcht vor MĂ€nnerhass und damit der binĂ€re Spiegelbegriff der Misandrie auf.cite-ref-mflood-2007-9-0[9]
Contents
âą Wortherkunft
âą Definitionen
âą Forschung
âą Kate Millett
âą Christiana Clemm
âą Geschichte
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
âą Einzelnachweise
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Wortherkunft
Das Wort Misogynie geht auf das altgriechische Wort ÎŒÎčÏÏÎłÏ
ÎœÎżÏ misĂłgynos âWeiberfeindâcite-ref-10[10] zurĂŒck. Es ist gebildet aus ÎŒÎčÏΔáżÎœ misein âhassenâ sowie ÎłÏ
ÎœÎź gynĂ© âFrauâ.cite-ref-11[11] In der griechischen Antike bezeichnete es die in der Philosophie vorherrschende Vorstellung von der ontologischen Minderwertigkeit der Frau. AusgedrĂŒckt wurde dies entweder direkt ĂŒber negative Beschreibungen der Frau oder indirekt ĂŒber die positive Beschreibung der Unterordnung der Frau unter den Mann.cite-ref-12[12]
Definitionen
Wurde Misogynie frĂŒher primĂ€r individualisierend fĂŒr die konkrete Abwertung von Frauen im engeren Sinne gebraucht, so hat sich das VerstĂ€ndnis heute auf eine gesamtgesellschaftliche Sichtweise als âstrukturelle Entwertung oder Benachteiligung von Weiblichkeitâ erweitert.cite-ref-0-13-0[13]
âMisogynie [âŠ] Kennzeichnung von Einstellungen, die die strukturelle Benachteiligung der Frau in der Gesellschaft und im privaten Bereich widerspiegeln. Misogyne Einstellungen und Verhaltensweisen Ă€uĂern sich sowohl offen restriktiv (Karrierehemmnisse, ungleiche Bezahlung etc.) wie auch durch die in verdeckter Weise erfolgende BeschrĂ€nkung der Frau auf ihre traditionelle Geschlechtsrolle (Verzerrung des Selbstbildes der Frau aufgrund spezifischer Sozialisation, Betonung ihrer schwĂ€cheren Position durch ĂŒberlieferte Höflichkeitsformen etc.). Da Misogynie als Emanzipationsfeindlichkeit im engeren Zusammenhang mit dem umfassenderen Autoritarismus gesehen wird, erscheint ihre Ăberwindung nur im gesamtgesellschaftlichen Kontext möglich.â
â
Lexikon der Soziologie
:
2011
âMisogynie [âŠ] ist ein zentraler Teil sexistischer Vorurteile sowie Ideologien und ist daher eine wichtige Grundlage fĂŒr die UnterdrĂŒckung von Frauen in mĂ€nnlich dominierten Gesellschaften. Misogynie manifestiert sich auf vielfĂ€ltige Weise, von Witzen ĂŒber Pornografie bis hin zur Beförderung eines Empfindens von Selbstverachtung von Frauen und ihren eigenen Körper.â
â
The Blackwell Dictionary of Sociology
:
2000
Misogynie ist insofern nicht auf MĂ€nner beschrĂ€nkt, sondern auch bei Frauen weit verbreitet (MittĂ€terschaft) und sowohl von Jungen als auch von MĂ€dchen ĂŒber die Sozialisation verinnerlicht:
âObwohl Misogynie bei MĂ€nnern am hĂ€ufigsten ist, existiert sie auch bei Frauen, wird von Frauen gegen andere Frauen oder sogar gegen sich selbst angewendet. Die Misogynie fungiert als Ideologie- oder Glaubenssystem, das seit Jahrtausenden patriarchalische oder mĂ€nnlich dominierte Gesellschaften begleitet und weiterhin Frauen in untergeordnete Positionen mit eingeschrĂ€nktem Zugang zu Macht und Entscheidungsfindung platziert. [âŠ] Aristoteles behauptete, dass Frauen als natĂŒrliche Deformationen oder unvollkommene MĂ€nner existieren [âŠ] Seither haben Frauen in westlichen Kulturen ihre Rolle als gesellschaftliche SĂŒndenböcke verinnerlicht, die im 21. Jahrhundert durch vielfĂ€ltige Objektifizierung von Frauen zu Tage tritt, mit ihrer kulturell sanktionierten Selbstabscheu und ihren Fixierungen auf plastische Chirurgie, Anorexia nervosa und Bulimie.â
â
International Encyclopedia of Men and Masculinities
:
2007
Begriffsabgrenzungen
Es gibt Ăberschneidungen zwischen den Begriffskonzepten Misogynie/Frauenfeindlichkeit, Sexismus und Antifeminismus.cite-ref-0-13-1[13] Teilweise wird versucht, einzelne Begriffe voneinander abzugrenzen,cite-ref-17[17]cite-ref-18[18] teilweise werden sie auch synonym verwendet.cite-ref-19[19] Insbesondere im englisch- und französischsprachigen Diskurs ist der Begriff Misogynie weiter verbreitet als in Deutschland, wo stattdessen hĂ€ufiger von Sexismus die Rede ist.cite-ref-0-13-2[13] Die Philosophin Kate Manne setzt sich fĂŒr eine Unterscheidung zwischen Sexismus und Misogynie ein; aus ihrer Sicht kennzeichnet Sexismus eine Ideologie, die eine patriarchale soziale Ordnung rechtfertige und rationalisiere, wĂ€hrend Misogynie das System sei, das die entsprechenden sozialen Normen durchsetze. WĂ€hrend Sexismus aufgrund der zumeist unwissenschaftlichen Unterstellung natĂŒrlicher Unterschiede zwischen MĂ€nnern und Frauen unterscheide, unterteile die Misogynie in âguteâ und âschlechteâ Frauen. Sexistische Ideologien könnten auf diese Weise misogyne Praktiken rechtfertigen.cite-ref-20[20] FĂŒr Misogynie, die sich gegen Schwarze Frauen richtet, wurde der Begriff Misogynoir geprĂ€gt.cite-ref-21[21]
Erscheinungsformen
Lange galten nur konkrete, extreme Formen der Abwertung von Frauen als Misogynie, wodurch Verbreitung und AusmaĂ individuell und gesellschaftlich verschleiert wurden.cite-ref-4-22-0[22] Misogynie schlĂ€gt sich auf allen Ebenen sozialer Beziehungen nieder, von der gesamtgesellschaftlichen Ebene bis zur persönlichen Beziehungsebene. Misogynie tritt sowohl im analogen als auch im digitalen Raum auf.cite-ref-23[23] Sie kann sich auf vielfĂ€ltige Weise und in unterschiedlicher IntensitĂ€t ausdrĂŒcken:cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]cite-ref-flood-2007-443-16-1[16]cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]cite-ref-pohl-2015-03-26-30-0[30]cite-ref-31[31]
âą fehlende Identifikation und Empathie mit Frauen sowie fehlende UnterstĂŒtzung von Frauen
âą geringe Anerkennung der Arbeit von Frauen (etwa Care-Arbeit oder Gender-Pay-Gap)
âą Verantwortungsumkehr gegenĂŒber Frauen (Schuldzuschreibung an das weibliche Opfer, TĂ€ter-Opfer-Umkehr, Selbstbeschuldigung, SĂŒndenbock)
âą Nicht-BerĂŒcksichtigung oder Nicht-Achtung oder Nicht-Beachtung von Frauen
âą Antifeminismus
⹠VerÀchtlichmachung von Frauen (Sexismus, sprachgeschichtliche Bedeutungsverschlechterung von Frauenbezeichnungen wie Magd, Weib, MÀdel, Dirne, Mamsell, Frauenzimmer und anderer), Verachtung von Frauen oder Selbstverachtung bei Frauen
âą Entmenschlichung oder Objektifizierung von Frauen (nicht nur durch Abwertung, sondern auch durch wirklichkeitsfeindliche Ăberidealisierung weiblicher IdentitĂ€tsaspekte, etwa Körperideale, Mutter- oder Verhaltensideale)
âą Gewalt oder sexualisierte Gewalt gegenĂŒber Frauen
âą Femizid
Misogynie im digitalen Raum
Online-Misogynie ist ein abstrakter Begriff fĂŒr Erscheinungsformen von Misogynie, die im digitalen Raum auftreten. Die United Nations Broadband Commission und das EuropĂ€ische Institut fĂŒr Gleichstellungsfragen (EIGE) nehmen sich dieser weltweiten Problematik unter dem Begriff âcyber violence against women and girlsâ (cyber VAWG) an. Forschungen des EIGE gehen davon aus, dass eine von zehn Frauen seit ihrem sechzehnten Lebensjahr bereits zum Ziel von Online-Misogynie wurde.cite-ref-32[32] Online-Misogynie beschrĂ€nkt sich somit nicht auf EinzelfĂ€lle.cite-ref-33[33] Online-Misogynie hat System und wird als solches untersucht.cite-ref-34[34]
âGeschlechtsspezifischer digitaler Hass hat einen chilling effect, indem manche Frauen sich selbst zensieren, anonym schreiben und sich teilweise oder komplett aus dem Internet zurĂŒckziehen.âcite-ref-jane-37-0[37]
Anderseits hat Online-Misogynie signifikante Folgen fĂŒr die Betroffenen im analogen Raum:cite-ref-38[38]
âFrauen leiden sozial, psychologisch, professionell, finanziell und politisch.âcite-ref-jane-37-1[37]
Erscheinungsformen von Misogynie, die im digitalen Raum beginnen, gehen zudem immer mehr in den analogen Raum ĂŒber. Beispielsweise sind die Praktiken des doxings, swattings und des Rachepornos zu nennen.cite-ref-jane-37-2[37] Online-Misogynie ist eine Form der Gewalt, die realen Schaden verursacht.cite-ref-39[39]
Abgrenzung zu Misogynie im analogen Raum
Online-Misogynie tritt im Gegensatz zu Offline-Misogynie nicht im analogen, sondern ausschlieĂlich im digitalen Raum auf. Im digitalen Raum treten oft schwerere Erscheinungsformen von Misogynie auf als im analogen Raum. Beispielsweise finden sich in vielen Online-Bereichen bildliche Vergewaltigungsdrohungen gegenĂŒber Frauen.cite-ref-40[40] Online-Misogynie trifft die Betroffenen somit oftmals hĂ€rter als Offline-Misogynie. Die United Nations Broadband Commission nennt fĂŒnf Merkmale, die Online-Misogynie von Offline-Misogynie unterscheiden:cite-ref-41[41]
1. AnonymitÀt: Eine beleidigende Person kann dem Opfer unbekannt bleiben.
2. Aktion aus Distanz: Missbrauch kann ohne physischen Kontakt und von ĂŒberall aus erfolgen.
3. Automation: Beleidigende Aktionen benötigen durch technologische Hilfsmittel weniger Zeit und BemĂŒhungen.
4. ZugĂ€nglichkeit: Die Vielfalt und Erschwinglichkeit vieler Technologien machen sie fĂŒr die TĂ€ter leicht zugĂ€nglich.
5. Ausbreitung und BestĂ€ndigkeit: Texte und Bilder vermehren sich und existieren fĂŒr eine lange Zeit oder auf unbestimmte Zeit.
Zielgruppen
Online-Misogynie richtet sich gegen verschiedene Zielgruppen, mit unterschiedlichen Folgen.
Frauen in der Politik
Online-Misogynie gegenĂŒber Politikerinnen stellt im 21. Jahrhundert eine nochmals eigenstĂ€ndige Problematik dar.cite-ref-k-nast-42-0[42] Sie geht mit spezifischen Merkmalen einher, woraus sich individuelle und gesamtgesellschaftliche Folgen ergeben. Online-Misogynie gegenĂŒber Politikerinnen ist unter anderem in den USA und Deutschland zu beobachten.
Merkmale
Es wurde beobachtet, dass politische Diskussionen in sozialen Medien zunehmen.cite-ref-43[43] Dabei machen beispielsweise beleidigende Tweets durchschnittlich 18 % aller Tweets aus, in denen Abgeordnete erwĂ€hnt werden.cite-ref-theocharis-44-0[44] Bei kontroversen politischen Debatten und politischen Events liegt der Prozentsatz an beleidigenden Tweets bei ĂŒber 18 %.cite-ref-theocharis-44-1[44]
In einer Studie haben Rheault et al. herausgefunden: je höher der Status und der Bekanntheitsgrad einer Politikerin, umso stĂ€rker ist diese online von misogynen Nachrichten betroffen.cite-ref-45[45] Als ErklĂ€rungsmuster verweisen Rheault et al. auf die Theorie der Geschlechterrollen,cite-ref-46[46] wonach gewisse Normen und Rollen wahrgenommen und mit dem jeweiligen Geschlecht in Verbindung gebracht werden. Misogyne Nachrichten gegenĂŒber Politikerinnen fungieren somit als Werkzeug, um die bestehenden Rollen und Normen aufrechtzuerhalten. In diesem Fall bestehe die zu verteidigende Norm darin, dass politische Ămter mit hohem Bekanntheitsgrad von MĂ€nnern zu bekleiden sind.
Filipovic weist darauf hin, dass Politikerinnen regelmĂ€Ăig als âshrill, bitchy, ball-busting, or hystericalâcite-ref-filipovic-47-0[47] bezeichnet werden. Sie werden zudem als manisch und lesbisch angesehen. Diese Arten von sexualisierten Beleidigungen stellen laut Filipovic einen Versuch dar, Frauen zurechtzuweisen, ebenso wie Vergewaltigungsdrohungen bezwecken sollen, Frauen Ă€ngstlich zu machen, um sie in den hĂ€uslichen Bereich zu verbannen.cite-ref-filipovic-47-1[47]
Funk/Coker verweisen auf die Theorie der Objektifizierung.cite-ref-48[48] Diese betont die Wirkungsmacht von ĂuĂerungen, die eine Frau lediglich auf ihr objektives Erscheinungsbild reduzieren. Sie kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass vor allem Aspekte der GlaubwĂŒrdigkeit und Eignung fĂŒr ein politisches Amt durch objektivierende Kommentare beeinflusst werden.cite-ref-49[49] Demnach werden Politikerinnen, im Zuge von objektivierenden Kommentaren, fĂŒr weniger glaubwĂŒrdig und geeignet gehalten.
Neben Politikerinnen werden auch andere Frauen online angegriffen, die sich öffentlich zu politischen Themen Ă€uĂern.cite-ref-50[50]
Beispiele aus Deutschland
Laut einer Umfrage von Der Spiegel geben 69 % der befragten Politikerinnen an, als Bundestagsabgeordnete frauenfeindlichen Hass zu erleben.cite-ref-brandes-51-0[51] Auch die Umfrage kommt zu dem Ergebnis: Je bekannter das politische Amt, desto extremer die misogynen Anfeindungen.cite-ref-brandes-51-1[51]
Einen prominenten Fall von Online-Misogynie gegenĂŒber deutschen Politikerinnen stellt die Debatte um die GrĂŒnen-Politikerin Renate KĂŒnast dar. Sie erhĂ€lt seit Jahren online misogyne Anfeindung, angefangen im Jahr 2016.cite-ref-k-nast-42-1[42] 2019 zog KĂŒnast gemeinsam mit der Hilfsorganisation HateAid vor Gericht. Beleidigungen, wie âStĂŒck ScheiĂeâ und âDrecksfotzeâ, wurden von dem Berliner Landgericht jedoch zunĂ€chst als zulĂ€ssige MeinungsĂ€uĂerung betrachtet.cite-ref-waurig-52-0[52]cite-ref-jedicke-53-0[53] Daraufhin legten KĂŒnast und HateAid Beschwerde ein. Sie bekamen in 12 von 20 FĂ€llen Recht. Mit den verbliebenen Anfeindungen sind sie Ende 2020 vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. KĂŒnast betont in diesem Zusammenhang den maĂgeblichen Einfluss rechtsextremer Bewegungen:
âRechtsextremismus beinhaltet eine massive Frauenfeindlichkeit. FĂŒr diese Leute sind Frauen nicht gleich, sondern ihre Dienerinnen. Frauen haben nicht in der ersten Reihe zu stehen und ihre Meinung zu sagen, sondern sie sollen eingeschĂŒchtert sein, wenn ein Mann eine Ansage macht.âcite-ref-k-nast-42-2[42]
BundestagsvizeprĂ€sidentin Claudia Roth verweist diesbezĂŒglich auf die AfD:
âDie AfD bereitet diesen Hassfantasien den Boden, sie ist wie ein Lautsprecher, der nicht nur offenen Rassismus, sondern auch Frauenfeindlichkeit nach auĂen trĂ€gt.âcite-ref-brandes-51-2[51]
Roth berichtet, dass es auch im Bundestag zu misogynen Anfeindungen von der AfD komme:
âDas beginnt mit GelĂ€chter, Zwischenrufen und dummen SprĂŒchen, wenn eine Frau am Rednerpult steht, und geht bis zu offen antifeministischen und sexistischen RedebeitrĂ€gen.âcite-ref-brandes-51-3[51]
Mittlerweile hat auch der Bundestag die Problematik der Online-Misogynie erkannt und im Juni 2020 das Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) verschĂ€rft, um digitale Gewalt hĂ€rter zu bestrafen. Soziale Netzwerke mĂŒssen ab sofort strafbare Posts nicht nur löschen, sondern auch an das Bundeskriminalamt melden.cite-ref-54[54] SPD-Politiker Herbert Bengler betont, dass man möglichst wenig Hass zulassen und das Feld nicht an rechte Parteien abgeben sollte. Je mehr Hass man zulasse, desto mehr wĂŒrde die politische Landschaft leiden. Die USA seien laut Bengler ein negatives Beispiel dafĂŒr.cite-ref-schnirch-55-0[55]
Beispiele aus den USA
Eine prominente Politikerin, die sich Misogynie verstĂ€rkt gegenĂŒbersieht, ist Hillary Clinton.cite-ref-clinton-56-0[56] WĂ€hrend ihrer politischen Karriere wurde Hillary Clinton oftmals online angefeindet. Eine Studie hat ergeben, dass Clinton im Jahr 2016 doppelt so viele beleidigende Tweets erhalten hatte wie ihr demokratischer Kollege Bernie Sanders.cite-ref-57[57] Unter den meist genannten Wörtern in diesen Tweets finden sich bitch, cunt und whore. Auch in anderen Staaten erhielten Politikerinnen doppelt so viele Anfeindungen ĂŒber Twitter wie ihre mĂ€nnlichen Kollegen. Zudem hatten Nachrichtenmagazine Clinton verstĂ€rkt kritisiert.cite-ref-clinton-56-1[56] Da sie oftmals die Grenzen ihrer erwarteten, traditionellen Rolle ĂŒberschritt, wurde ihre GeschlechtsidentitĂ€t in Nachrichtenmagazinen oft auf subtile Weise hinterfragt.cite-ref-58[58]
Auch die demokratische Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez wird regelmĂ€Ăig Opfer von Online-Misogynie. Auf die Problematik der Misogynie gegenĂŒber Politikerinnen machte sie auch im Kongress der Vereinigten Staaten aufmerksam.cite-ref-vox-59-0[59] In ihrer Rede klagte sie darĂŒber, dass der Republikaner Ted Yoho sie auf dem Weg in das Kapitol als âfucking bitchâ bezeichnet habe. Ein Reporter von The Hill war wĂ€hrend der Beleidigung vor Ort und bestĂ€tigte diese. Ocasio-Cortez kritisierte in ihrer Rede, dass solche misogynen ĂuĂerungen in der Ăffentlichkeit der Bevölkerung vermitteln, dass frauenfeindliche ĂuĂerungen allgemein toleriert werden:
âEs ist eine Kultur mangelnder Straflosigkeit, Akzeptanz von Gewalt und gewalttĂ€tiger Sprache gegen Frauen, eine ganze Machtstruktur, die dies unterstĂŒtzt.âcite-ref-vox-59-1[59]
Folgen
Frauen ziehen sich zunehmend aus online gefĂŒhrten, politischen Diskussionen zurĂŒck.cite-ref-h-hn-36-1[36] Kuch/Hermann weisen diesbezĂŒglich darauf hin, dass Hasssprache andere Sprache unterdrĂŒcke und Frauen gezielt zum Schweigen bringen könne:
âDieses Schweigen kann soweit gehen, das wir ganz aus dem Spiel von Ansprache und Antwort ausgeschlossen, nicht mehr als soziales Wesen adressiert werden und damit die soziale Existenz vollkommen verlieren.âcite-ref-60[60]
Politische Akteure nutzen soziale Medien auĂerdem fĂŒr die Kommunikation mit der WĂ€hlerschaft und zur Verbreitung von Informationen. Durch zunehmende Hasssprache denken politische Akteure jedoch darĂŒber nach, sich aus sozialen Medien zurĂŒckzuziehen.cite-ref-schnirch-55-1[55]
Der politische Diskurs und die Meinungsfreiheit werden zu Gunsten einer hetzenden Minderheit somit stark eingeschrÀnkt, sagt Michael Wörner-Schappert, Referent des Bereichs Politischer Extremismus bei jugendschutz.net.cite-ref-61[61]
Die befĂŒrchtete Schwemme an misogynen Nachrichten könnte weibliche Akteure zudem davon abhalten, hochrangige politische Ămter anzustreben, so Katrin Göring-Eckardt.cite-ref-62[62] Dies hĂ€tte zur Folge, dass Interessen bestimmter Gruppen nicht berĂŒcksichtigt werden und Bevölkerungsgruppen zunehmend unzufrieden werden. Das bestehende System könnte sich destabilisieren, obwohl die BefĂŒrworter misogyner Rollenbilder genau das Gegenteil erreichen wollen.cite-ref-63[63]
Online-Misogynie sorgt im Allgemeinen fĂŒr eine gewaltsame VerstĂ€rkung geschlechtsspezifischer MachtverhĂ€ltnisse.cite-ref-64[64]
Frauen im Sport
In verschiedenen, mĂ€nnerdominierten Sportarten leiden Frauen unter Online-Misogynie. Im FuĂball löste 2016 etwa der Einsatz von Claudia Neumann als erste Kommentatorin eines EM-Spiels eine Debatte ĂŒber misogyne Angriffe im Sport aus.cite-ref-65[65]
Frauen in der Gaming-Szene
In der Gaming-Szene werden Frauen gezielt Opfer von Online-Misogynie.cite-ref-66[66] Einen weitreichenden Angriff auf Frauen in der Gaming-Szene stellte beispielsweise die Gamergate-Kontroverse dar.cite-ref-67[67]
MĂ€nner
Auch MĂ€nner können Opfer misogyn motivierter Angriffe im Internet sein. Untersuchungen aus dem englischen Sprachraum zeigen, dass MĂ€nner, die nicht dem Bild traditioneller MĂ€nnlichkeit entsprechen, unter anderem von der Alt-Right und der separatistischen Online-Community MGTOW als z. B. âSoyboysâcite-ref-68[Anm. 1] beschimpft werden. Ihnen wird vorgeworfen, âfeminisiertâ und von âweiblicher Machtâ eingenommen worden zu sein. Auch auf englischsprachigen rechtsgerichteten Online-Portalen wie Return of Kings und InfoWars werden solche Darstellungen verbreitet, die Misogynie mit VerschwörungserzĂ€hlungen kombinieren.cite-ref-69[68]cite-ref-70[69]
BekÀmpfung von Online-Misogynie
Wissenschaftler und Aktivisten setzen an mehreren Ebenen zur BekÀmpfung von Misogynie im digitalen Raum an.
Politische Ebene
Auf der politischen Ebene mĂŒsse zunĂ€chst anerkannt werden, dass genderspezifischer Online-Hass keine private Angelegenheit sei, sondern eine öffentliche Problematik, die auf strukturelle Macht- und KontrollverhĂ€ltnisse zurĂŒckgeht.cite-ref-71[70]cite-ref-72[71] Somit mĂŒsse der individuelle Aktivismus gegen digitale Frauenfeindlichkeit durch eine âwider politicsâcite-ref-73[72] unterstĂŒtzt werden. Online-Misogynie dĂŒrfe zugunsten einer mehrdimensionalen Betrachtungsweise in der politischen BekĂ€mpfung nicht von Offline-Misogynie getrennt werden, denn Frauenfeindlichkeit, die sich im digitalen Raum Ă€uĂert, habe reale Konsequenzen fĂŒr die betroffenen Frauen.cite-ref-74[73] In diesem Zusammenhang fordert auch das EuropĂ€ische Institut fĂŒr Gleichstellungsfragen die politische Anerkennung von frauenfeindlicher Online-Gewalt als Form von Gewalt gegen Frauen und die Einbeziehung von Stimmen Betroffener in die Diskussion ĂŒber Strategien der BekĂ€mpfung. Auf EU-Ebene solle die Definition von Cyber-Gewalt gegen Frauen in die Gesetzgebung einflieĂen, um den Zugang zum Rechtssystem und zu UnterstĂŒtzungsmechanismen fĂŒr betroffene Frauen auf nationaler Ebene sicherzustellen.cite-ref-22-75-0[74] Es ist also besonders wichtig sicherzustellen, dass Menschenrechte auch online gewahrt werden.cite-ref-76[75] Damit Opfer von Online-Hass nicht allein gelassen werden, plĂ€diert die Initiative HateAid in Anlehnung an das European Institute for Gender Equality beispielsweise fĂŒr bessere SchutzmaĂnahmen durch die Politik und fĂŒr âein bundesweites Netz von spezialisierten Beratungsstellen und geschulte und sensibilisierte Polizeibehörden, die die Betroffenen ernst nehmen und nicht abweisenâ.cite-ref-77[76] Auch das European Institute for Gender Equality fordert die BerĂŒcksichtigung der Dimension des Geschlechts im polizeilichen Vorgehen gegen Cyberhass.cite-ref-22-75-1[74] In Hessen kommt es zu einer Zusammenarbeit von HateAid und dem Hessischen Ministerium der Justiz durch die App MeldeHelden. Betroffene von digitaler Gewalt können ĂŒber diese App eine Beratung beanspruchen und Inhalte melden, die sie fĂŒr strafbar halten und die dann geprĂŒft werden.cite-ref-78[77]
Bildungspolitisch könne KĂŒmpel und Rieger zufolge im Rahmen von âExtremismusprĂ€ventionâcite-ref-32-79-0[78] die Medienbildung unterstĂŒtzt werden, um vor allem Jugendlichen eine angemessene Umgangsweise mit digitalem Hass zu vermitteln. So könnten Menschen lernen einzuschĂ€tzen, welche Inhalte in sozialen Netzwerken unangebracht sind und basierend auf sozialen Kompetenzen âproduktiv partizipierenâ.cite-ref-32-79-1[78] HierfĂŒr mĂŒssten Lehrpersonen und pĂ€dagogische Initiativen politisch so gefördert werden, dass sie SchĂŒlern âdas nötige Handwerkszeug fĂŒr Diskussionen in der Online-Welt bereitstellen.âcite-ref-32-79-2[78] Gleichzeitig mĂŒssten Frauen und MĂ€dchen durch âawareness-raising campaignsâ ĂŒber genderspezifische Cybergewalt, ihre rechtlichen Möglichkeiten sowie UnterstĂŒtzungsmechanismen aufgeklĂ€rt werden.cite-ref-22-75-2[74]
Theodore Koulouris analysierte 2018 die zeitgenössische Online-Misogynie als die Konsequenz eines stĂ€rker werdenden Rechtspopulismus, der wiederum durch den Neoliberalismus im Zusammenhang mit der Weltfinanzkrise 2007 Auftrieb erhielt. Rechtspopulisten framten dabei die Verwerfungen des Neoliberalismus wie den âbrutalenâ AusteritĂ€tskurs nach der Finanzkrise als unter anderem durch Immigration verursacht und propagierten einen Kult der âaufrechtenâ MĂ€nnlichkeit, um Widerstand dagegen zu leisten, der zu misogynen Einstellungen fĂŒhrte. Die Online-Misogynie sei daher eine Manifestation realer politischer Probleme, deren Lösung es erfordere, âmaterielle Gleichheit und soziale Gerechtigkeitâ in den Blick zu nehmen, anstatt die Arbeiterklasse weiter zu dĂ€monisieren.cite-ref-80[79]
Individuelle Ebene
Im Bereich der individuellen Ebene bestand laut Thee lange Zeit die TĂ€ter-Opfer-Umkehr. Social-Media-Trolle sind ein sehr unangenehmes Online-PhĂ€nomen, unter dem viele Nutzende leiden. Mit der Zeit habe eine zunehmende Verschiebung der Schuld von Opfer auf TĂ€ter stattgefunden. Um dies aufrechterhalten zu können, sollten gerade Trolle nicht unterstĂŒtzt, sondern direkt ignoriert oder gleich gesperrt werden. Denn bis heute haben Frauen damit zu kĂ€mpfen, dass ihnen eine Mitschuld an beispielsweise sexuellen Angriffen gegeben wird. Als GrĂŒnde hierfĂŒr werden vor allem ihre Kleidung oder âextrovertiertes Verhaltenâ angefĂŒhrt. Der Blick bei der BekĂ€mpfung und der Verantwortung der Ăbergriffigkeit sollte sich gĂ€nzlich auf die TĂ€ter richten. Gleichwertig dazu muss dies auch bei Angriffen im digitalen Raum der Fall sein.cite-ref-72-81-0[80]
Es gibt auf der individuellen Ebene einige Wege, mit digitalen Angriffen umzugehen: Filtern, Trolldrossel und eigene Veröffentlichung. Das Filtern meint ein gezieltes Ignorieren der Trolle. Beispielsweise kann, wie einige in der Ăffentlichkeit Stehende bereits in Anspruch nehmen, das Postfach im Voraus von nahestehenden Personen vorgefiltert werden, indem Hatepost gelöscht wird, damit sie den Anfeindungen nicht permanent ausgesetzt sind. Davon berichteten beispielsweise junge Politikerinnen verschiedener Parteien.cite-ref-82[81]
Rechtliche Ebene
Das Internet ist ein universal genutzter Raum, der keine sichtbaren Grenzen aufweist und dennoch durch nationale rechtliche Regeln bestimmt wird. In diesem Sinne können sogar in einem Land uneinheitliche Richtlinien existieren.cite-ref-83[82] Nach dem Beschluss des Landesgerichtes Berlin im Fall Renate KĂŒnast, die frauenfeindlichen Kommentare im Netz ĂŒber sich ergehen lassen musstecite-ref-84[83], wird ĂŒber die Frage der Grenzen der Meinungsfreiheit und den Beginn eines Verhaltens, das als sanktionswĂŒrdig eingestuft wird, breit debattiert.cite-ref-02-85-0[84] Dem Grundrecht der Meinungsfreiheit (Art. 5, Abs. 1 GG) sind gesetzliche Grenzen gesetzt, wie z. B. durch die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und das Recht der persönlichen Ehre (Art. 5 GG) sowie durch Strafgesetze. Auch werden Beleidigungen, Verleumdungen und Volksverhetzung (Art. 130 StGB) nicht durch das Recht auf Meinungsfreiheit bewahrt. Tatsachenbehauptungen gegenĂŒber den Betroffenen werden im gesamten Kontext betrachtet und demnach beurteilt. Die Grenzen der Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) umfassen hier auch Aussagen beziehungsweise Kommentare, in denen sich Tatsachen und Meinungen berĂŒhren.cite-ref-86[85]
Der Deutsche Juristinnenbund e. V. hĂ€lt es fĂŒr sinnvoll, auch ohne gestellten Strafantrag der Betroffenen misogyne Kommentare im Netz zu bestrafen, um gegen diese im Interesse der Gesamtgesellschaft und einer diskriminierungsfreien Teilhabe am Online-Diskurs stĂ€rker vorzugehen.cite-ref-02-85-1[84] Er strebt demnach eine gröĂere staatliche Verantwortung zur BekĂ€mpfung von digitaler Frauenfeindlichkeit an. In diesem Zusammenhang sei zudem âeine Melde- und Beweissicherungspflicht fĂŒr Plattformenbetreiber*innenâcite-ref-02-85-2[84] hilfreich.
Das Meldeverfahren des NetzDG-E wird laut dem Deutschen Juristinnenbund e. V. von sozialen Online-Netzwerken jedoch zu kompliziert umgesetzt, sodass er eine Vereinfachung zugunsten der Verbraucher fordert.cite-ref-02-85-3[84] Des Weiteren sei eine stĂ€rkere Transparenz der sozialen Netzwerke, die mit einer âgeschlechtsspezifische[n] AufschlĂŒsselung der erhobenen Datenâcite-ref-02-85-4[84] verbunden ist, notwendig, um Online-Misogynie zu begegnen.
Siehe auch
:
Abschnitt âRechtliche Aspekteâ im Artikel Hassrede
Journalistische und technische Ebene
Einige gĂ€ngige Strategien sollen Betreiber von sozialen Netzwerken verpflichten, allgemein gegen Hate Speech und insbesondere Online-Misogynie umzugehen. Begrenzungen oder auch zahlungspflichtige Teilhabe auf Plattformen und Foren sollen Trolle und Störer vom Online-Diskurs ausschlieĂen. Dies impliziert allerdings eine starke ExklusivitĂ€t und EinschrĂ€nkungen von Debatten im Internet. Das Ignorieren als Strategie ist weniger dazu geeignet, Hasskommentare und Frauenfeindlichkeit nachhaltig aus Diskussionen im Netz zu verbannen, da den Inhalten nichts direkt entgegengesetzt wird. Mit einer Moderierung in sozialen Online-Netzwerken kann dagegen eine angenehme, plurale, aber dennoch diskriminierungsfreie Debattenkultur erreicht werden.cite-ref-92-87-0[86]
Im Rahmen des âCommunity Managementsâcite-ref-32-79-3[78] werden DiskussionskanĂ€le verfolgt und reguliert. Dabei differenzieren KĂŒmpel und Rieger zwischen drei verschiedenen Varianten der Online-Moderation. Die â[k]ollaborative Moderationâcite-ref-32-79-4[78] ermöglicht das proaktive Melden von als unangemessen empfundenen Inhalten durch Social-Media-Nutzende (âFlaggingâ). ErhĂ€lt ein Kommentar viele Meldungen, kann er automatisch gelöscht oder geprĂŒft werden. Bei der âinhaltliche[n] Moderationâcite-ref-32-79-5[78] werden Kommentare von professionellen Moderatoren, wenn diese sie persönlich fĂŒr unangebracht und nicht vereinbar mit der Netiquette der jeweiligen Plattform halten, beseitigt. Die âinteraktive[âŠ] Moderationâcite-ref-32-79-6[78] beinhaltet dagegen einen Diskurs zwischen Moderierenden und Social-Media-Nutzenden, in dessen Rahmen die Moderator*innen BeitrĂ€ge stĂ€rker kontextualisieren, Hintergrundinformationen bereitstellen oder bei Konflikten die vermittelnde Rolle einnehmen und Diskussionen auf die Sachebene zurĂŒckbringen.cite-ref-32-79-7[78] Besonders in Hinblick auf Misogynie sollten die Moderatoren der Plattformen durch verpflichtende âSchulungen zu geschlechtsspezifischem Hass und Silencingâcite-ref-88[87] fĂŒr Online-Hass gegen Frauen sensibilisiert werden.
Die BekĂ€mpfung von Online-Misogynie ist also auch als Aufgabe fĂŒr die jeweiligen Online-Plattformen zu verstehen. Laut Ging und Siapera steht Online-Misogynie mit âmore fundamental, structural conditions of inequality and discrimination in the technology sectorâ in Verbindung. Digitale Infrastruktur und Algorithmen wĂŒrden Misogynie abbilden und reproduzieren.cite-ref-62-89-0[88] Aus diesem Grund sind Betreiber von sozialen Netzwerken zu einem Teil verantwortlich, diskriminierungsfreie RĂ€ume sicherzustellen. Hate Speech kann nicht bekĂ€mpft werden, wenn Meldungen der Nutzenden nicht ernst genommen werden. So fiel Facebook des Ăfteren damit auf, nichts gegen Online-Misogynie unternommen zu haben, indem beispielsweise Hassnachrichten nicht gelöschtcite-ref-90[89], aber weibliche Brustwarzen zensiert wurden.cite-ref-91[90]
Nachdem die Digitalkonzerne und Betreiber der sozialen Netzwerke lange Zeit wenig gegen Hassrede unternommen haben, gibt es beispielsweise auf Twitter seit 2020 die Möglichkeit, dass Nutzende selbst entscheiden können, wer auf ihre Tweets direkt reagieren kann. So existiert unter anderem die Funktion, nur Follower oder im Tweet erwĂ€hnte Accounts auf Tweets antworten zu lassen. Damit können einige (misogyne) Anfeindungen im Netz verringert werden.cite-ref-92[91] Facebook grĂŒndete ebenfalls 2020 das âFacebook Oversight Boardâcite-ref-93[92], eine unabhĂ€ngige Instanz, die ĂŒber unangebrachte Inhalte urteilen soll. Facebook muss dann die Entscheidungen, die in EinzelfĂ€llen getroffen wurden, umsetzen und gegebenenfalls BeitrĂ€ge und Kommentare entfernen.
Eine weitere Möglichkeit der journalistischen Ebene, auf digitalen Hass zu reagieren, ist das Ironisieren. Dies fĂŒhrt zwar nicht zu inhaltlichen Diskussionen, die allerdings oftmals auch nicht möglich sind. Mit satirischem Umgang werde den Hasskommentatoren die Deutungshoheit entzogen und der Fokus verlagert. Im Zusammenhang mit dieser Strategie steht auch die öffentliche Reproduktion von Hate Speech zum Beispiel durch Zeitungen, wodurch Aufmerksamkeit erregt und SensibilitĂ€t erzeugt werden kann.cite-ref-94[93]cite-ref-92-87-1[86] Die Frage ist, ob die Wiedergabe der unangemessenen Inhalte mit der eventuell verbundenen Ausweitung des Sagbaren und die direkte Anprangerung der TĂ€ter Betroffenen wirklich hilft.
Zivilgesellschaftliche Ebene
Auf zivilgesellschaftlicher Ebene kann Online-Hass beispielsweise durch Counterspeech-Initiativen, wie #Ichbinhier, bekĂ€mpft werden. Diese sorgt auf Grundlage von Gegenreden fĂŒr eine bessere Diskussionskultur in den Sozialen Medien. Durch Hashtags wie #ichbinhier können neue Gemeinschaften gefunden und miteinander vernetzt werden, die sich demnach als digitale Zivilgesellschaft gegenseitig unterstĂŒtzen.cite-ref-95[94] Mit dieser Initiative wird das Ziel verfolgt, Menschen zu ermutigen, die sich bisher allein auf sozialen Medien wie z. B. Facebook (auf-)hetzenden Kommentaren entgegenstellten und diejenigen Menschen zurĂŒckzugewinnen, die sich bereits aus den Kommentarspalten zurĂŒckgezogen haben. Es muss gemeinsam gegen toxische Kommentare agiert werden. Des Weiteren sollte der Fokus darauf liegen, positive Kommentare lauter und sichtbarer zu machen.cite-ref-96[95] Weitere Projekte, die den Online-Hass angehen und bekĂ€mpfen wollen, sind beispielsweise LOVE Storm, Love Speech â Gesicht zeigen, Aufstehen gegen Hass im Netz, Hateaid, #NetzCourage und Zivile Helden.
Wirkung dieser LösungsansÀtze
Die individuelle Ebene steht zwar mit der Ăberwindung die TĂ€ter-Opfer-Umkehr in Verbindung, verkennt allerdings die institutionelle Verantwortung im Kampf gegen digitale Frauenfeindlichkeit. Die vorgeschlagenen MaĂnahmen des Filterns, Ignorierens und Reproduzierens setzen an Symptomen der Hate Speech und nicht an den Strukturen an.
Die Weiterentwicklung der Möglichkeiten auf der rechtlichen Ebene im Bereich des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes, gegen genderspezifischen Hass im Netz vorzugehen, wie sie der Deutsche Juristinnenbund fordert,cite-ref-02-85-5[84] wird politisch teilweise angestrebt, aber noch nicht in weiten Teilen umgesetzt. Betreiber sozialer Netzwerke mĂŒssen nach dem Beschluss der Bundesregierung zur Ănderung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes tatsĂ€chlich Straftaten wie Drohungen gegen die sexuelle Selbstbestimmung melden, allerdings beispielsweise keine Beleidigungen. Auch das strafrechtliche Vorgehen ohne einen expliziten Strafantrag wurde noch nicht realisiert, soziale Netzwerke mĂŒssen lediglich Informationen zum Strafantrag fĂŒr ihre Nutzenden bereitstellen.cite-ref-97[96] Die auch vom Bundestag beschlossenen Ănderungen des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes sind allerdings wegen verfassungsrechtlicher Bedenken noch nicht in Kraft getreten.cite-ref-98[97] Demnach entfalten die Strategien zur BekĂ€mpfung von Online-Misogynie auf der juristischen und politischen Ebene noch nicht ihre Wirkung.
Auf der journalistischen Ebene kann die Moderation in sozialen Online-Netzwerken und Foren laut Studien tatsÀchlich einen Beitrag dazu leisten, das digitale Debattenklima zu verbessern. Demnach habe vor allem die Anwesenheit und aktive Beteiligung von Journalisten in Kommentarspalten einen positiven Effekt und könne prÀventiv gegen inzivile Kommentare wirken.cite-ref-32-79-8[78]
Das Filtern von hasserfĂŒllten Kommentaren im Bereich des Counter-Speech auf der zivilgesellschaftlichen Ebene trĂ€gt laut Bojarska nicht viel zum Erfolg bei, da sich Gegenreden in sozialen Netzwerken oft schwerer verbreiten lassen als Kommentare, die hasserfĂŒllt seien.cite-ref-82-99-0[98] Hingegen seien konstruktive Reaktionen auf Hate Speech besonders erfolgreich.cite-ref-100[99] Auch kann die Beteiligung und Mitgliedschaft in Gruppen und Seiten im Rahmen des Counter Speech der BekĂ€mpfung von Hate Speech entgegenkommen. Ein wirkungsvolles Beispiel hierfĂŒr stellt die Facebook-Gruppe #ichbinhier dar.cite-ref-82-99-1[98]
Forschung
Die wissenschaftliche Erforschung von misogynen Einstellungsmustern begann mit der Geschlechterforschung. Zuvor gab es jedoch bereits wichtige VorlÀuferstudien und einzelne Untersuchungen.cite-ref-4-22-1[22]
Katharine M. Rogers
Die erste systematische Studie ĂŒber Misogynie wurde 1959 von der amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Katharine M. Rogers in der Fachzeitschrift Texas Studies in Literature and Language veröffentlicht. Sie befasst sich mit der Misogynie in den Werken von Jonathan Swift.cite-ref-101[100]
Im nĂ€chsten Schritt baute sie diese Analyse aus zu einer epochenĂŒbergreifenden Studie misogyner Einstellungsmuster in westlichen Literaturklassikern. In der Einleitung verweist sie auf die frĂŒhen Grundlagen in der Antike. Ihre Studie untersucht die Zeit vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert in sechs Abschnitten. Ihre Schlussfolgerung: Weil Misogynie generell als ein âabnormales GefĂŒhlâ angesehen werde, das nicht direkt gezeigt werden dĂŒrfe, entwerfe jede Epoche eigene Typen âweiblicher Schurkenâ, die abgewertet werden dĂŒrften. Dazu zĂ€hlen beispielsweise:
âą die âunweiblicheâ Frau im 19. Jahrhundert und
Rogers kommt insgesamt zur Schlussfolgerung, dass Misogynie ein kulturell bedingtes PhÀnomen sei:
Der wichtigste Grund fĂŒr Misogynie liege laut Rogers in den tief verwurzelten, asymmetrischen Machtbalancen der Geschlechterordnung, âim patriarchalen GefĂŒhl und Wunsch, dass Frauen MĂ€nnern unterlegen bleiben solltenâ.cite-ref-102[101]
Kate Millett
Zu den wichtigsten Grundlagenwerken in der Misogynieforschung zĂ€hlt heute die literaturwissenschaftliche, soziologische und anthropologische Studie Sexual Politicscite-ref-103[102] (deutsch: Sexus und Herrschaft) von Kate Millett. Sie kommt, wie Rogers, ebenfalls aus der Literaturwissenschaft und verweist auch auf Rogers Arbeit als zusammenfassender Ăberblick: âDie Literatur der Misogynie ist so groĂ, dass keine Zusammenfassung von annehmbarerem Format ihr gerecht werden könnte. Die beste Quelle ist Katharine M. Rogers.âcite-ref-104[103] Millett weitet jedoch den wissenschaftlichen Fokus ĂŒber die Literaturwissenschaft hinaus aus.
Milletts Untersuchung besteht in der Analyse misogyner Einstellungsmuster in den Werken von Erfolgsautoren wie D.H. Lawrence, Henry Miller und Norman Mailer sowie bei Sigmund Freud. Die Studie zeigt, dass âSex einen hĂ€ufig vernachlĂ€ssigten politischen Aspektâ darstellt, und liefert âeine erste systematische Ăbersicht ĂŒber das Patriarchat als einer politischen Institutionâ, in der âHerrschaftsansprĂŒche im Geschlechtsverkehrâ eine zentrale Rolle spielen.cite-ref-105[104] In dieser Studie gelang es, das AusmaĂ sexueller MachtansprĂŒche auf beklemmend eindrĂŒckliche Weise darzulegen, wie der Gutachter George Stade beschrieb:
âDas Lesen des Buches ist, als sĂ€Ăe man mit seinen Hoden in einem Nussknacker.âcite-ref-106[105]
Trotz seines wissenschaftlichen Niveaus verbreitete sich das Buch durch die beklemmende EindrĂŒcklichkeit der Analyse schnell. Es wurde zum Bestseller und zu einem Manifest der neuen Frauenbewegung und des Feminismus der 1970er Jahre.
Das Buch konzentriert sich auf das soziologische Begriffskonzept des Patriarchats und verwendet den Begriff Misogynie selbsterklÀrend, ohne ihn selbst nÀher zu reflektieren oder zu definieren. Im Gegensatz zur englischen Ausgabe fehlt der Begriff Misogynie im Stichwortverzeichnis der deutschen Ausgabe sogar gÀnzlich.
Christiana Clemm
Clemm ist eine RechtsanwĂ€ltin und Sachbuchautorin, die zwei BĂŒcher vorgelegt hat, die den Frauenhass dokumentieren und die zugrundeliegenden Mechanismen aufzeigt. In ihrem ersten Buch âAktenEinsichtâ beschreibt sie aktuelle FĂ€lle (Stand 2020) von Gewalt gegen Frauen. In ihrem zweiten Buch âGegen Frauenhassâ geht sie den GrĂŒnden nach und zeigt auf, dass der Sexismus und der Besitzanspruch von MĂ€nnern an Frauen eine wesentliche Triebfeder ist.
Erforschung des PhÀnomens
Eine erste systematische sozialpsychologische Untersuchung zu Misogynie in Deutschland stammt aus dem Jahr 1973. Sie machte bereits darauf aufmerksam, dass misogyne Einstellungsmuster gerade nicht als âWeiberhassâ missverstanden werden dĂŒrfen, sondern eine erweiterte Sicht unerlĂ€sslich ist:
âFrauenfeindlichkeit ist [âŠ] nicht so unkompliziert aufzufassen wie etwa Fremdenfeindlichkeit, Kinderfeindlichkeit, Autofeindlichkeit usw. Denn es geht im vorliegenden Falle nicht einfach um den mehr oder weniger ausgeprĂ€gten Grad der Ablehnung des Einstellungsobjektes, also âder Frauâ. Es geht nicht um Weiberhass. Einstellungsobjekt im engeren Sinne ist vielmehr die vollstĂ€ndige Gleichstellung und Gleichbehandlung der Frau im sozialen Leben. [âŠ] DarĂŒber hinaus lĂ€sst [âŠ] erkennen, dass Frauen die vollstĂ€ndige Gleichstellung oft dadurch vorenthalten wird, dass man ihnen gegenĂŒber gewisse, sozial eher positiv bewertete Haltungen zum Ausdruck bringt: besondere Höflichkeit, zuvorkommendes Benehmen, Nachsicht, Galanterie usw. [âŠ] Eine solche differenzierte Betrachtung der Einstellung zur Frau, zur Gleichberechtigung, zur Emanzipation erscheint auch deshalb sinnvoll, weil sich misogyne Einstellungen auch dort antreffen lassen, wo man dies auf den ersten Blick am wenigsten erwartet: bei den Betroffenen, also den Frauen selbst. In diesem Falle ergibt sich das bekannte Bild, dass Individuen, die in einem ganz bestimmten gesellschaftlichen System aufgewachsen, âsozialisiertâ worden sind, zur Ăbernahme von Einstellungen neigen, die man ihnen selbst entgegenbringt.âcite-ref-6-107-0[106]
Ein so erweitertes VerstĂ€ndnis beschreibt Misogynie insofern ĂŒber folgende Merkmale:
âą keine lediglich individuellen, sondern sozialkulturelle Einstellungsmuster,
⹠Auswirkungen: negative und auch positive Verhaltensweisen (Höflichkeit etc.),
âą Verinnerlichung nicht nur durch MĂ€nner, sondern auch durch Frauen selbst.
Eine mitunter konstatierte Begrenzung von misogynen Einstellungsmustern auf MĂ€nnercite-ref-108[107], auf individuelle Einstellungsmuster, frĂŒhere Gesellschaften oder andere Gesellschaften ist insofern wissenschaftlich nicht haltbar.
Misogyne Einstellungsmuster und ihre Auswirkungen werden unter anderem in folgenden Wissenschaftsdisziplinen untersucht:
âą Geschlechterforschungcite-ref-115[114]
Ursachenforschung
Die Ursachen von misogynen Einstellungsmustern werden durch verschiedene Disziplinen der Wissenschaft nach ihren jeweiligen Schwerpunktsetzungen erforscht. Dabei erforscht die Soziologie primĂ€r die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Psychologie oder Sozialpsychologie primĂ€r die Folgen dieser gesellschaftlichen Rahmenbedingungen fĂŒr die psychische Entwicklung.
Soziologie
In der Soziologie werden die gesellschaftlichen Konstellationen oder Dynamiken von geschlechtsbezogenen Macht- oder HerrschaftsverhÀltnissen als ursÀchliche Rahmenbedingungen beschrieben.
Zu den frĂŒhen Ergebnissen zĂ€hlen die Beschreibungen von MachtverhĂ€ltnissen als Patriarchat. Ein Klassiker, in denen die Ursachen fĂŒr die VerhĂ€ltnisse zwischen den Geschlechtern auĂerhalb bloĂ beliebiger Tradition oder zufĂ€lliger Natur gesucht wird, zĂ€hlt Friedrich Engels Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats (1884).
Zusammenfassend verkoppelt er darin die Stellung von MĂ€nnern und Frauen in der Gesellschaft mit der historischen Entwicklung des Eigentums. Ausgehend von egalitĂ€ren VerhĂ€ltnissen in einer Urgesellschaft von JĂ€gern und Sammlern ohne Eigentum wĂŒrde im Rahmen Entwicklung der Sesshaftigkeit wĂ€hrend der Neolithische Revolution zunĂ€chst hĂ€uslicher Besitz entstehen, der von Frauen besessen und matrilinear vererbt wĂŒrde. In diese Periode fielen bedeutende als weiblich angenommene Erfindungen (Töpferei, Landwirtschaft, âŠ). Dem stĂŒnde ein zunehmend kleiner werdender mĂ€nnlicher Beitrag durch Jagd gegenĂŒber. Engels belegt u. a. am matrilinearen Verwandtschaftssystem der Irokesen. Dem entspreche ein Matriarchat als Herrschaftsform. Erst mit der nachfolgenden Ausweitung der Bevölkerung und Produktion entstĂŒnde nennenswerter auĂerhĂ€uslicher Besitz, der aber vaterrechtlich weitergegeben wird und als Herrschaftsform das Patriarchat begrĂŒnde, um sicherzustellen, dass der Sohn eben der seines Vater ist und weibliche Keuschheit und JungfrĂ€ulichkeit einfordert und in eine ĂŒberbordende Einhegung von Frauen fĂŒhrt.
WĂ€hrend eine solche Konstruktion zunĂ€chst insofern erhellend ist, da sie wenigstens aufzeigt, dass die GeschlechtsverhĂ€ltnisse historisch ĂŒber die Entwicklung der Produktionsweise und der BesitzverhĂ€ltnisse in der Menschheitsgeschichte begrĂŒndet und belegt werden könnte, ist die Faktenlage hierzu etwa mit Blick auf das Matriarchat wenigstens archĂ€ologisch lĂŒckenhaft und ethnologisch widersprĂŒchlich. Siehe hierzu Geschichte der Matriarchatstheorien.
Misogyne Verhaltensmuster, wie sie beispielsweise in der zeitgenössischen Lad Culture bei Studenten gefunden werden können, werden darĂŒber hinaus mit sozioökonomischen Bedingungen in Verbindung gebracht. Ein zunehmendes Konkurrenzdenken und zunehmende Kommodifizierung verschiedener Lebensbereiche durch die Vormachtstellung des Neoliberalismus verstĂ€rkten ein auf Dominanz und Marginalisierung beruhendes Verhalten und schufen Bedingungen fĂŒr eine zunehmende Objektifizierung von Frauen und fĂŒr sexualisierte Gewalt.cite-ref-116[115] Weitergehende Beschreibungen lieferten seitdem insbesondere die Konzepte hegemonialer MĂ€nnlichkeit und des Geschlechtshabitus.
Psychologie
Auf der Basis der Erkenntnisse der Soziologie werden in der Psychologie die psychischen oder psychosozialen Folgen als Ursachen bei der Entstehung von misogynen Einstellungsmustern beschrieben. In der Psychologie war die Geschlechterforschung allerdings lange Zeit ânoch stĂ€rker als in anderen Sozialwissenschaften, randstĂ€ndig und marginalisiertâ. Erst langsam kommt es hier zu einer Enttabuisierung des Themenfeldes: Im Vordergrund steht die Kritik des Androzentrismus in der Erkenntnisproduktion, die Kritik der Vorstellungen von psychologischer IdentitĂ€t und Subjektkonstitution und die Enttabuisierung lebenspraktischer Konflikte, Benachteiligungen und Belastungen durch strukturelle Machtdynamiken.cite-ref-117[116]
Der Sozialpsychologie Rolf Pohl sieht die Entstehung von misogynen Einstellungsmustern in einem âAbhĂ€ngigkeits-Autonomie-Konfliktâ, den er als MĂ€nnlichkeitsdilemma bezeichnet.cite-ref-pohl-2004-118-0[117]cite-ref-119[118]cite-ref-120[119]cite-ref-7-121-0[120] Eine zentrale Ursache sei die mĂ€nnliche Subjektkonstitution mĂ€nnlich hegemonialer Kulturen, deren Grundlage die Vorstellung mĂ€nnlicher Ăberlegenheit und weiblicher Unterlegenheit sei. In der Folge unterlĂ€gen MĂ€nner dem Zwang, ĂŒberlegene MĂ€nnlichkeit herzustellen und aufrechtzuerhalten. Doch trotz des zwingenden Anspruchs von Ăberlegenheit und UnabhĂ€ngigkeit seien MĂ€nner in mĂ€nnlich hegemonialen Kulturen meist in mehrfacher Hinsicht von Frauen abhĂ€ngig: 1) AbhĂ€ngigkeit von Frauen in Kindheit und Jugend, 2) AbhĂ€ngigkeit heterosexueller MĂ€nner vom Begierdeobjekt Frau und 3) AbhĂ€ngigkeit von GebĂ€r- und StillfĂ€higkeit der Frau.cite-ref-7-121-1[120]cite-ref-122[121] Um dem Anspruch von UnabhĂ€ngigkeit und Ăberlegenheit zu genĂŒgen, mĂŒssten diese Aspekte mĂ€nnlicher AbhĂ€ngigkeit von Frauen, MĂŒttern und Weiblichkeit abgewertet und verdrĂ€ngt werden. Dadurch entstĂŒnden misogyne Einstellungsmuster, die aber meist unbewusst bleiben wĂŒrden.cite-ref-7-121-2[120] Durch diese Abwertung wĂŒrden Frauen und insbesondere MĂŒtter hĂ€ufig zur ProjektionsflĂ€che virulenter Weiblichkeitsabwehr und damit zum SĂŒndenbock.cite-ref-pohl-2015-03-26-30-1[30]
Historische Linguistik
Die Historische Linguistik beschreibt seit langem die sprachgeschichtlich beobachtbare Bedeutungsverschlechterung (Pejorisierung) von Frauenbezeichnungen (Magd, Weib, Dirne, Mamsell, Frauenzimmer etc.). In vielen sprachgeschichtlichen EinfĂŒhrungen dient sie heute als hauptsĂ€chlich verwendetes Lehrbeispiel fĂŒr den eigendynamischen Prozess der Bedeutungsverschlechterung.cite-ref-123[122]cite-ref-124[123]cite-ref-125[124] Die Bedeutungsverschlechterung von Frauenbezeichnungen ist in vielen Sprachen beobachtbar. Im Geschlechtervergleich erweist sich die historische BedeutungsverĂ€nderung von Frauen- und MĂ€nnerbezeichnungen als asymmetrisch. WĂ€hrend Frauenbezeichnungen eine Abwertung erfahren, ist dies bei MĂ€nnerbezeichnungen nicht der Fall.cite-ref-126[125]cite-ref-127[126] BegrĂŒndungen hierfĂŒr wurden lange nicht gesucht oder blieben wissenschaftlich inkonsistent. Erst allmĂ€hlich wird dies systematisch untersuchtcite-ref-10-2-1[2] und explizit als Misogynie bezeichnet.cite-ref-11-128-0[127]
Sprachgeschichtlich lassen sich bei der Entwicklung drei Pfade der QualitÀtsverÀnderung von Frauenbezeichnungen erkennen:
1. Soziale Degradierung oder Deklassierung
2. Funktionalisierung, besonders im niederen Dienstleistungsbereich
Die Untersuchung historischer WörterbĂŒcher vom 15. bis 19. Jahrhundert zeigt, dass Frauenbezeichnungen zu 72,5 Prozent ĂŒber negative QualitĂ€ten beschrieben werden. Im Gegensatz dazu werden MĂ€nnerbezeichnungen zu 75 Prozent ĂŒber positive QualitĂ€ten beschrieben.cite-ref-129[128]
Sprachgeschichtliche Untersuchungen zeigen heute, dass die Bedeutungsverschlechterungen von Frauenbezeichnungen âdirekt den historisch geringen Status der Frau, ihre niedrige gesellschaftliche Stellung und WertschĂ€tzung reflektierenâ. Wie andere semantische Entwicklungen auch sind diese Bedeutungsverschlechterungen âein Spiegel kulturhistorischer RealitĂ€tenâcite-ref-10-2-3[2] und der darin eingelagerten misogynen RealitĂ€ten, Werte und Einstellungsmuster einer Gesellschaft.cite-ref-11-128-1[127]
| Beispiele fĂŒr den historischen Prozess der Bedeutungsverschlechterung von deutschen Frauenbezeichnungen [ 2 ] | Beispiele fĂŒr den historischen Prozess der Bedeutungsverschlechterung von deutschen Frauenbezeichnungen [ 2 ] | Beispiele fĂŒr den historischen Prozess der Bedeutungsverschlechterung von deutschen Frauenbezeichnungen [ 2 ] |
|---|---|---|
| Althochdeutsch | Mittelhochdeutsch | Neuhochdeutsch |
| wīb: (Ehe-)Frau | wßp: (Ehe-)Frau | Weib : schlampige, liederliche Frau ( Schimpfwort ) |
| frouwa: Herrin, adlige Frau | vrouwe: verheiratete, sozial hochstehende Frau | Frau : Ehefrau ; Frau |
| frouwelīn: junge Herrin, Gebieterin, Dame, Frau von Stand | vröu(we)lßn: MÀdchen niederen Standes (soziale Abwertung); feile Dirne, Hure (Sexualisierung) | FrÀulein : unverheiratete Frau; auch Kellnerin / Bedienung / AlleinmÀdchen spÀter Wegfall von FrÀulein (ab ca. 1975 durch feministische Sprachkritik) |
| magad: junge, unverheiratete Frau (Jungfrau Maria) | maget: junge, unverheiratete Frau (Jungfrau Maria) | Magd : Haus-/Hofangestellte fĂŒr grobe, einfache Arbeiten |
| diorna: junges MĂ€dchen | dierne: junge Dienerin, Magd (Funktionalisierung) | Dirne : Prostituierte (ab 16. Jh.) ( Sexualisierung ) |
| Mademoiselle (französisch): hohe, ehrwĂŒrdige, junge unverheiratete Frau | Mademoiselle (frĂŒhneuhochdeutsch): hochstehende junge Frau | Mamsell : 1. einfache KĂŒchenangestellte (Kaltmamsell) 2. Prostituierte (Sexualisierung) |
Weitere Beispiele fĂŒr die Asymmetrie des Bedeutungswandels von Frauen- und MĂ€nnerbezeichnungen sind SekretĂ€r vs. SekretĂ€rin, Gouverneur vs. Gouvernante, Friseur vs. Friseuse, Masseur vs. Masseuse.cite-ref-10-2-5[2]
Geschichte
Bereits Cicero berichtete vor unserer Zeitrechnung, dass die griechische Philosophie Misogynie als die ĂuĂerung einer Angst sah (Gynophobie).cite-ref-130[129]
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellt der US-amerikanische Kulturanthropologe David D. Gilmore fest, dass Misogynie in fast allen Kulturen und Epochen vorkomme, der Frauenhass in vergleichbarer Weise in der JĂ€ger-Sammler-Gesellschaft ebenso existent gewesen sei wie im Mittelalter oder im Europa des 21. Jahrhunderts.cite-ref-131[130]
Philosophie von Platon bis Schopenhauer
Durch die Erotisierung oder Sexualisierung des Logos in der griechischen Philosophie kam es zu einer folgenschweren Abwertung des Weiblichen. Das, was nicht Logik ist, und die Materie wurden als weiblich gedacht (mater-materia). In Platons Timaios ist die Rede von der Mutter als dem GefÀà aller Sinnendinge; Maimonides berichtet, dass nach Platon die Idee mÀnnlich, die Materie weiblich sei.
Philosophie des Mittelalters
Der monastische Asketismus des Mittelalters und der mittelalterliche Realismus trugen dazu bei, dass sich innerhalb der monastischen Kultur eine Geschlechtsspezifik manifestierte, die den mittelalterlichen Intellektuellen prÀgte. Der scholastische Ideenrealismus ist mit dem Namen Alvarus Pelagius verbunden, der 200 Laster und Missetaten von Frauen auflistete. Das im Auftrag des Papstes Johannes XXII. verfasste Buch wurde 1474 in Ulm gedruckt und geriet zum Vorbild des Hexenhammers.cite-ref-angst-132-0[131]
Die Dokumente, die Jean Delumeaus Studie ĂŒber die Geschichte kollektiver Ăngste in Europa zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert zugĂ€nglich macht, zeigen den Zusammenhang zwischen der Sinnenfeindlichkeit der monastischen Philosophie und der unverhohlenen Frauenfeindlichkeit der kirchlichen Vollzieher der Hexenprozesse.cite-ref-angst-132-1[131]
Siehe auch
:
Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht?
Auswirkungen
Texte wie âDe contemptu mundiâ, das Werk des Mönchs Bernhard von Cluny, das apokalyptische Passagencite-ref-133[132] gegen die Frauen enthĂ€lt, waren ĂŒber die BeichtbĂŒcher und das Urteil der Theologen bis ins 16. und 17. Jahrhundert maĂgebend fĂŒr die Seelsorge, und die Vorstellung von der Frau als Handlangerin des Satans, wie Jean Delumeau es ausdrĂŒckt, wurde in Millionen von Familien hineingetragen und fand so Eingang in Moral und Alltagskultur.
Die BekĂ€mpfung sexueller BedĂŒrfnisse, das Sprechen und Schreiben ĂŒber die Abtötung des Fleisches, Zölibat und Keuschheit gehörten zu den bestimmenden Elementen der christlichen Kultur des Mittelalters. FĂŒr die EinfĂŒhrung des monastischen Zölibates waren ökonomische GrĂŒnde maĂgeblich. Auch das Volk wĂŒnschte sich Heilige, die ihren Pflichten als Seelsorger nachkommen konnten, ohne von familiĂ€ren Pflichten abgelenkt zu sein.cite-ref-feuer-134-0[133]
Dennoch gab es auch im Mittelalter ZusammenschlĂŒsse von gemischtgeschlechtlichen christlichen Gruppierungen. Diese existierten oft als Bettelorden; neuerer Terminologie zufolge kann man diese als Subkultur bezeichnen. Vielfach sind Biografien adeliger Personen bekannt, weiblich wie mĂ€nnlich, die sich solchen â oft verfolgten â Gruppen anschlossen.
Die dominierende, weil verschriftlichte Wissenschaftskultur, resultierend aus den Institutionen des Wissens, wie sie im Europa des Mittelalters durch Klöster und UniversitÀten entstanden waren, blieb bis ins 20. Jahrhundert eine reine MÀnnerinstitution; noch im 21. Jahrhundert stellen Frauen in diesen Institutionen eine Minderheit dar.cite-ref-135[134]
EuropĂ€ische MĂ€nnlichkeitsentwĂŒrfe
Das MĂ€nnerbild, in der Kunstgeschichte als âder neue Adamâ bekannt, das unter katholischer Aufsicht ab dem 15. Jahrhundert zu verbreiten gesucht wurde, sollte MĂ€nnern unter anderem Tugenden wie Treue in der Ehe, MĂ€nnerfreundschaft, HĂ€uslichkeit nach der Heirat vermitteln. Darstellungen dieses Typus und zur Thematik finden sich z. B. bei Albrecht DĂŒrer, der in diesen Arbeiten stets pĂ€dagogische Ideale abzubilden versuchte.
Mit der breiten Militarisierung der mĂ€nnlichen Bevölkerung und der Schaffung neuerer reiner MĂ€nnerrĂ€ume durch Kasernen- und Schulwesen, wie es beinahe in ganz Europa ab dem 18. Jahrhundert organisiert wurde und institutionell noch im 21. Jahrhundert fortwirkt, verĂ€nderte sich das Ideal des Mannes im Vergleich zu den mittelalterlichen Tugenden. Die Militarisierung brachte fĂŒr alle MĂ€nner verpflichtend neue Ideale, regelmĂ€Ăiges Training zur Gewaltanwendung, das Ignorieren von Emotionen, Empathie oder Schmerz mit sich. Die MĂ€dchenerziehung, sofern sie stattfand, war nach wie vor auf Tugenden wie Sittsamkeit, Keuschheit, MitgefĂŒhl und Pflege ausgerichtet. Neu war ab dem 17./18. Jahrhundert, dass aufgrund staatlicher Institutionen beinahe alle Gesellschaftsschichten diesen Bildungsprogrammen unterzogen werden konnten.cite-ref-136[135]
Der AufklĂ€rer Jean-Jacques Rousseau, der in Emile oder ĂŒber die Erziehung ausfĂŒhrlich ĂŒber PĂ€dagogik schrieb, war auffĂ€llig frauenfeindlich. Die Erziehung des MĂ€dchens Sophie ist der des Protagonisten zwar im Stil Ă€hnlich, vom Inhalt her aber ganz anders: Sie lernt Singen, Klavierspielen, NĂ€hen und Kochen. Ihre Aufgabe ist es, ihrem zukĂŒnftigen Mann zu gefallen und ihm das Leben angenehm zu machen. Die natĂŒrliche kindliche Neugier von MĂ€dchen oder jungen Frauen ist abzutöten, da sie klug genug sind, um Geheimnisse, die man ihnen verbirgt, zu ahnen, und weil sie schlau genug sind, sie zu entdecken.cite-ref-137[136] Rousseau nennt das liebenswerte Unwissenheit. François FĂ©nelon forderte: Ein MĂ€dchen soll nur reden, wenn es wirklich nötig ist, mit einem fragenden und ehrerbietigen Ausdruck. Ăber Dinge, die gemeinhin ĂŒber das VerstĂ€ndnis von MĂ€dchen hinausgehen, soll sie selbst dann nicht sprechen, wenn sie darĂŒber Bescheid weiĂ [âŠ] Man lehre die MĂ€dchen, daĂ ihr Geschlecht gegenĂŒber der Wissenschaft ein SchamgefĂŒhl empfinden soll, das ebenso empfindsam ist wie jenes, aus dem der Abscheu vor dem Laster sich nĂ€hrt.cite-ref-138[137] Etwas zu wissen, ist fĂŒr MĂ€dchen also quasi eine Untat. Johann Gottfried Herder war besonders offen: Eine Henne, die krĂ€ht, und ein Weib, das gelehrt ist, sind ĂŒble Vorboten: Man schneide beiden den Hals ab.cite-ref-139[138] Der Philosoph Arthur Schopenhauer betrachtete die Frau als sexus sequior, âdas in jedem Betracht zurĂŒckstehende, zweite Geschlecht, dessen SchwĂ€che man demnach schonen soll, aber dem Ehrfurcht zu bezeugen ĂŒber die MaĂen lĂ€cherlich ist und uns (MĂ€nner) in ihren eigenen Augen herabsetztâ.cite-ref-140[139]
Strukturelle Misogynie
Nach Seyla Benhabib wurde auch in der Wissenskultur, die als von der monastischen Tradition prinzipiell losgelöst erscheint, eine einseitige, von mĂ€nnlichen Philosophen, Wissenschaftlern und Theoretikern forcierte Betrachtung aufrechterhalten. Der Begriff Misogynie oder neuer sozialer Sexismus kann nunmehr als fehlendes Einbeziehen der weiblichen Leistungen und Lebensformen in Theorien und Systemen verstanden werden. Das AbdrĂ€ngen von MĂ€dchen in sittliche Rollenbilder, die sie aufgrund ihres Geschlechtes theoretisch zu erfĂŒllen hĂ€tten, wird ebenso oft als sexistisches Handeln verstanden.
Kritisiert werden vor allem jene Grundlagen der politischen Philosophie und der Ăkonomie, die von MĂ€nnern konzipiert wurden, innerhalb derer Reproduktionsarbeit und Frauenrechte nicht in Staats- und Vertragstheorien miteinbezogen wurden. Der Begriff des âseparative selfâ, der wesentlicher Bestandteil kontraktualistischer Staatstheorien wie jener von Hobbes, Locke, Rousseau, Kant oder Rawls ist, beschreibt eine Lebensform, deren Grundvoraussetzungen fĂŒr Frauen bis zur EinfĂŒhrung des Frauenwahlrechtes und Reformen des Erbrechtes und dem Recht auf Privateigentum nicht zutrafen.
Die Erhaltung der RegenerationssphÀre, die Reproduktionsarbeit und die emotionale und sexuelle Befriedigung des Mannes wurden im wissenschaftlichen Diskurs wie in politischen und rechtlichen Grundlagen als ureigene weibliche DomÀne angesehen,cite-ref-141[140] wÀhrend besagte separative Autonomie Frauen bis ins 20. Jahrhundert weitgehend vorenthalten war.
Feministische Theorien, die auf der Beobachtung von sozialen und geistigen Gewohnheiten basieren, weisen geschlechterspezifische Dualismen zurĂŒck und kritisieren deren kulturelle Manifestationen in Form von sozialer Abschottung und sozialen Rangordnungen.cite-ref-142[141]
Siehe auch
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Weblinks
Commons
: Misogyny
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Misogynie
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą aufstehen-gegen-hass-im-netz.de (feministische Seite gegen Hassrede).
Anmerkungen
cite-note-68Anm. 1. â Angelehnt an âsoybeanâ, das englische Wort fĂŒr Sojabohne, die hohe Mengen an Phytoöstrogenen enthĂ€lt, die strukturell den weiblichen Sexualhormonen aus der Gruppe der Ăstrogene Ă€hneln.
Einzelnachweise
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